
Erfahrungsberichte vom Camino del Inca
übersetzt von Pia
Auch dieses Jahr war eines der Highlights für die Jugendlichen der Organisation die mehrtägige Wanderung durch die Anden. Bereits zum vierten Mal konnten die Jugendlichen von Renovación diese besondere Erfahrung dank der Unterstützung von Yana Paña machen.
Anfang Juli machte sich erneut eine Gruppe Jugendlicher von Renovación auf den Weg zur fünftägigen Wanderung auf dem „El Choro“, einem der sogenannten Caminos del Inca. Diese historischen Routen wurden einst von den Inkas, aber auch von anderen präkolumbianischen Kulturen genutzt.
Der Weg „El Choro“ diente bereits vor über 2000 Jahren als wichtige Verbindung zwischen dem bolivianischen Hochland und den Regenwaldregionen. Benannt ist er nach einem Ort entlang der Strecke. Im Folgenden berichten Brian, Paula und Danna von ihren persönlichen Eindrücken und Erfahrungen auf dieser besonderen Wanderung.
Brian, 21 Jahre

Mein Name ist Brian Andrés Moya Chávez, ich bin 21 Jahre alt. Meine Erfahrung auf dem Inka-Trail entlang der Yungas-Route war eine unvergessliche Reise. Von El Choro in La Paz, Bolivien, aus begab ich mich auf einen Weg, auf dem man das Gefühl hat, die Zeit sei stehen geblieben. Der Weg führt durch eine beeindruckende Kontrastlandschaft, von den hohen, kalten Anden bis zum üppigen, warmen Yungas-Regenwald.
Bei jedem Schritt spürte ich die Geschichte unter meinen Füßen. Auf jahrtausendealten Pflastersteinen zu wandern, umgeben von dichter Vegetation und einem Nebel, der wie aus einem Märchen entsprungen scheint, ist etwas, das man nicht mit Worten beschreiben kann. Die Route stellte nicht nur meine körperliche Ausdauer auf die Probe, sondern bot mir auch eine tiefe Verbindung zur Natur und zu den alten Zivilisationen, die diese Länder bewohnten.
Es ist ein Abenteuer, das über das Wandern hinausgeht; es ist eine Begegnung mit sich selbst und mit der Großartigkeit der Geschichte und der natürlichen Umgebung Boliviens. Zweifellos eine Reise, die mich für immer geprägt hat. Abgesehen davon, dass ich auf dieser Reise großartige Menschen kennengelernt habe, mit denen ich jeden Tag zusammen war, schien alles wie aus einem Traum, und es war zweifellos eine der besten Erfahrungen, die ich bis heute in meinem Leben gemacht habe. Natürlich ist es ein Ort und eine Erfahrung, die ich gerne wiederholen möchte. Vielen Dank für diese Gelegenheit!
Danna, 20 Jahre
Ich bin Danna Estefany Torrez Rojas, 20 Jahre alt, und möchte euch hiermit erzählen, dass die Teilnahme an der Wanderung auf dem Inka-Pfad in El Chorro eine meiner schönsten Erfahrungen war. Während der Wanderung stand ich vor einer großen persönlichen Herausforderung: Ich bekam eine Panikattacke, weil ich mich sehr müde fühlte und die Gruppe nicht aufhalten wollte. Anstatt mich jedoch zu verurteilen oder zurückzulassen, zeigten mir meine Begleiter*innen den wahren Wert von Gemeinschaft, beruhigten mich, machten mir Mut und halfen mir sogar, meine Sachen zu tragen. Diese Geste der Unterstützung gab mir Kraft und das Gefühl, nicht allein zu sein, ohne Schuldgefühle, nur mit der Motivation, weiterzumachen.

Der Weg schenkte mir viel mehr als nur eine körperliche Herausforderung. Ich konnte wunderschöne Landschaften bewundern, die wir in Oruro, wo das Stadtleben den Alltag bestimmt, normalerweise nicht zu sehen bekommen. Von Grünflächen umgeben zu sein, frische Luft zu atmen und beeindruckende Ausblicke zu genießen, ließ mich darüber nachdenken, wie viel wir manchmal verpassen, wenn wir in unserer Routine verharren. Ich habe gelernt, dass diese Aktivitäten nicht nur unsere körperliche, sondern auch unsere geistige und emotionale Gesundheit stärken. Sie laden uns ein, uns zu fragen: „Werde ich das schaffen?“, und helfen uns gleichzeitig zu entdecken, dass wir es tatsächlich können, vor allem, wenn wir ein Team haben, das uns unterstützt. Sie motivieren uns auch, uns von der Technologie und dem Alltag zu lösen, um ein echtes Abenteuer in Kontakt mit der Natur zu erleben.
Die Wanderung auf dem Inka-Trail war zweifellos eine Erfahrung, die mir sehr gefallen hat und die ich gerne wiederholen würde. Sie hat mir gezeigt, dass Grenzen nur im Kopf existieren und dass man mit Unterstützung, Motivation und Verbundenheit mit der Natur immer weiter kommen kann. Ich möchte dem Projekt Renovación Madre Niño und Yana Paña dafür danken, dass sie uns solche Erfahrungen ermöglichen, die uns nicht nur der Natur näherbringen, sondern auch Menschen, die uns wirklich helfen, wieder an die Menschen zu glauben.
Paula, 20 Jahre

Mein Name ist Paula Araceli Viraca Choqueticlla und ich bin 22 Jahre alt. Ich möchte diesen Text mit einem sehr zutreffenden Satz beginnen: „Nach einer Reise ist man nie mehr derselbe.“ Die Wanderung auf dem Inka-Trail geht jedoch noch darüber hinaus, denn sie verändert die Gedanken, die man vor der Reise hatte, und sogar die Art und Weise, wie man gelebt hat, vollständig.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Inka-Trail gehe, aber jedes Jahr fühlt es sich einzigartig an. Das liegt daran, dass wir immer neue Leute kennenlernen, die Teil des Abenteuers werden, und auch daran, dass sich die Landschaften verändern, manchmal durch den Bergbau und manchmal durch die Auswirkungen des Klimawandels. Was diese Erfahrung jedoch wirklich besonders macht, ist die Gesellschaft und die Freundschaft, die sich unterwegs aufbaut.
Mit meinen Begleitern haben wir darüber gesprochen, dass einige dieser Veränderungen nicht so gut sind, weil man eine gewisse Vernachlässigung unterwegs bemerkt: Es gibt nicht mehr so viele Schmetterlinge und Bienen, die Flora ist zurückgegangen und sogar Obstbäume werden immer seltener. Das hat uns sehr traurig gemacht, aber es hat uns auch dazu gebracht, darüber nachzudenken, was wir tun könnten, um die Situation zu verbessern. Wir wissen, dass es schwierig ist, weil der Weg sehr lang ist und auch der Bergbau eine Rolle spielt, aber wir sind uns einig, dass wir etwas versuchen müssen.
Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass auch meine Familie diese Erfahrung gemacht hätte, obwohl ich verstehe, dass dies aufgrund der Arbeit oder des Studiums oft schwierig ist. Dennoch hoffe ich, dass ich diese Reise eines Tages mit ihnen teilen kann, denn sie war spektakulär und ein echtes Abenteuer, eines von denen, die das Leben prägen. Der Inka-Trail ist so schön, dass ich ihn gerne jedes Jahr wiederholen würde. Ich bin dem Projekt sehr dankbar, dass es uns diese Art von Erfahrungen ermöglicht, die uns nicht nur unvergessliche Erinnerungen schenken, sondern auch unsere geistige Gesundheit und unser emotionales Wohlbefinden stärken.
Weitere Eindrücke vom Camino del Inca sind in der Fotostrecke dieses Newsletter zu finden.
