Frühkindliche Förderung bei Renovación: ein Interview mit Maria Rene

geführt und übersetzt von Pia

Maria Rene leitet das Zentrum für Frühkindliche Förderung bei Renovación

Renovación Madre Nino wurde vor ca. einem Jahr wiedergeöffnet. Wie hat sich in diesem Jahr der Bereich der frühkindlichen Bildung entwickelt? 

„Im April 2021 öffnete das Zentrum für die Frühkindliche Förderung und Tagesbetreuung seine Pforten mit dem Ziel, alleinerziehende Mütter, junge Paare und primäre Betreuungspersonen zu unterstützen, die berufstätig sind und/oder studieren und nicht genügend Zeit für die Betreuung und Förderung ihrer Kleinkinder im Alter von 3 bis 5 Jahren haben. Im Laufe des Jahres wurde das Angebot zunächst in zwei Schichten angeboten, eine vormittags und eine nachmittags, beide Schichten dauerten vier Stunden von Montag bis Freitag. Um die Familien über dieses neue Angebot zu informieren, wurden Informationen über WhatsApp verschickt, damit sie sich kostenlos anmelden können. Die Familien waren froh zu erfahren, dass Renovación Madre Niño seine Pforten nicht schließen würde und dass sie von dieser neuen Art der Arbeit profitieren würden. Aufgrund der großen Nachfrage wurde ein zweiter Raum am Nachmittag in zwei Schichten von jeweils einer Stunde und dreißig Minuten eingerichtet, der ausschließlich für Vorschulkinder im Alter von 4 und 5 Jahren sowie für 6-jährige Kinder mit Lernschwierigkeiten bestimmt ist.

Wie sieht der Alltag im Zentrum der Frühkindlichen Förderung aus? 

„Jeder Arbeitstag wird in einer Arbeitsagenda (Frühförderprogramm) geplant und organisiert, sie besteht aus zehn Aktivitäten, die die fünf Bereiche der kindlichen Entwicklung entsprechend ihres Alters abdecken. Die Methodik der Durchführung der Aktivitäten ist spielerisch, das Spiel ist grundlegend für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder, da es ihr psychologisches und körperliches Wohlbefinden, soziales Lernen und die Entwicklung ihrer Intelligenz fördert. 

Die erste Aktivität in jeder Einheit ist die Begrüßung und der Empfang. Dann geht es weiter mit einer anderen Aktivität zur Stimulierung des sozioaffektiven Bereichs, mit dem Ziel, die Fähigkeiten zu fördern, die es dem Kind ermöglichen, sich als Person und soziales Wesen zu entwickeln, indem es lernt, seine Emotionen zu erkennen und zu bewältigen. Dies geschieht durch Kinderlieder, bei denen die Kinder singen und die Bewegungen der Erzieher*innen nachahmen. Das Ziel dabei ist, spielerisch mit Gleichaltrigen zu interagieren und neue Freundschaften zu schließen, während gleichzeitig die motorische Beweglichkeit entwickelt wird.

Die zweite Aktivität zielt auf den Bereich der Grobmotorik ab. Diese Aktivitäten ermöglicht es uns, die Ausdrucks- und Bewegungsfähigkeit der verschiedenen Körperteile zu entwickeln. Dazu wird ein spielerischer Parcours eingerichtet, auf dem die Kinder aktiv an verschiedenen Spielen teilnehmen, die es ihnen ermöglichen, zu springen, zu rennen, Bälle zu werfen, das Gleichgewicht in statischen und bewegten Positionen zu halten. 

Die dritte geplante Aktivität ist für den kognitiven Bereich bestimmt, sie regt die Denkfähigkeit der Kinder an, die es ihnen ermöglicht, die Eigenschaften von Objekten mit ihren Sinnen wahrzunehmen und zu unterscheiden, indem sie Objekte nach Farbe, Größe und Form ordnen. Ziel dieser Aktivität ist es, das phonoartikulatorische System durch Atem-, Puste-, Zungen-, Unterkiefer- und Lippenübungen zu stärken, um die Artikulation und Aussprache von Wörtern zu perfektionieren; außerdem werden Lieder, Reime, Zungenbrecher, Rätsel, Geschichten, der Einsatz von Puppen und die Dramatisierung von Spielen verwendet. 

In der fünften Aktivität arbeiten wir im Bereich der Feinmotorik. Durch bspw. das Auffädeln von Perlen und das Zusammensetzen von Puzzles soll die visuell-motorische Koordination und die Bewegung der Finger gefördert werden, so dass die Kinder je nach Alter und Fähigkeit Striche, Vokale, Zahlen und das Alphabet schreiben üben und beherrschen können. 

Sechste Aktivität: Wir setzen den Bereich der Feinmotorik fort, mit dem Ziel, die malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten der Kinder zu fördern. Dazu erhalten die Kinder Blätter mit aufgedruckten Aktivitäten, die ihrem Alter entsprechen. Mit Techniken wie z. B. Papier reißen, lochen, malen, mit Knete formen, Linien zeichnen, werden die Arbeitsblätter bearbeitet. 

Siebte Aktivität, Snackzeit, wir vermitteln gesunde Essgewohnheiten, jedes Kind bringt seinen eigenen, zu Hause zubereiteten Snack mit. 

Achte Aktivität: Freies Spiel. Diese Aktivität ermöglicht vielfältige Spielmöglichkeiten, die die Entwicklung von Autonomie, Entscheidungsfindung, Selbstachtung, Kreativität, Neugier und Erkundung der Umwelt fördern. Alle Kinder können mit den Spielen und Lernspielzeugen ihrer Wahl spielen.

Die neunte Aktivität, die Verabschiedung, wird mit Liedern und Tänzen durchgeführt, so dass die Kinder glücklich nach Hause gehen und sich darauf freuen, am nächsten Tag wiederzukommen. 

Zehnte Aktivität, wir bereiten jedes Kind auf die Abholung vor. 

Diese Aktivitäten werden in der Gruppe durchgeführt, aber wir erfassen die Fortschritte jedes Kindes durch das tägliche Bewertungsregister. Die verantwortliche Erzieherin beobachtet das Verhalten der Kinder zu den verschiedenen Spiel- und Erkundungssituationen. Die Art und Weise wie das Spielzeug und die Materialien beobachtet und damit umgegangen wird, die Gestik und Mimik der Kinder und die Dauer der Aufmerksamkeit und Konzentration sind Indikatoren für ihre Interessen und Fähigkeiten. 

Für uns ist es von grundlegender Bedeutung, Kinder zu motivieren und zu begeistern, damit sie lernen.“

Gibt es Bedürfnisse der Kinder und Eltern, die sich im Laufe des Jahres verändert haben? Wie reagiert ihr auf diese Veränderungen?

„Es gibt unterschiedliche Bedürfnisse in jeder Familie. Wirtschaftliche Nöte betreffen jedoch die meisten Familien. Viele Familie leben von der Tagesarbeit und müssen damit die grundlegenden Bedürfnisse von Lebensmittel und grundlegende Versorgungen wie Strom und Trinkwasser decken. Sie haben keine Krankenversicherung und ihr Einkommen deckt aktuell nicht das Recht auf Bildung für ihre Kinder. Um am digitalen Unterricht teilzunehmen, benötigen die Kinder Smartphones, Laptops und Guthaben, um sich einen Internetzugang zu kaufen. Viele Familien können sich dies jedoch nicht leisten. 

Mit der Eröffnung des Zentrums für Frühkindlichen Förderung und der Kindertagesstätte haben vor allem die Familien profitiert. Sie haben nun einen Ort, an dem sie ihre Kinder für die notwendigen Betreuung und Förderung anvertrauen können, während sie arbeiten und ihr Einkommen aufbessern oder einen Beruf erlernen können, der ihnen hilft, ihre Wirtschaft und ihre Lebensqualität zu verbessern. Zweitens werden die Kinder in ihrem Lernverhalten gefördert und erwerben neue motorische, sprachliche, kognitive und sozio-emotionale Fähigkeiten, die ihnen helfen, eine erfolgreiche Zukunft aufzubauen.“

In welchem Kontakt steht ihr zu den Eltern der Kinder? 

„Wir stehen im ständigen Kontakt mit den Eltern, die wir jeden Tag über die Entwicklung ihrer Kinder in Bezug auf ihren Fähigkeiten und Verhaltensweise informieren.“

Du bist Psychologin und Leiterin des Teams der frühkindlichen Förderung und Tagesbetreuung. Wer gehört sonst noch zu diesem Team? 

„Das Team besteht aus jungen ehrenamtlichen Psychologiestudent*innen, Erzieher*innen und ehrenamtlichen Müttern der Organisation. Diese motivieren und unterrichten mit Zuneigung, Respekt, Einfühlvermögen, Kreativität und Geduld. Zudem leiten sie die Durchführung der geplanten Aktivitäten.“

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